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  • AutorenbildMichel Janz

Von Pflichten zu Potential: Nachhaltiger Unternehmenserfolg

ESG (Environmental, Social, and Governance) ist neu ein zentrales Thema im heutigen Geschäftsumfeld. Es bezieht sich auf die Integration von Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren in die Entscheidungsfindung von Unternehmen. Auch für die Politik gewinnt das Thema an Brisanz. Zunehmend kommen Regulierungen, besonders aus dem EU-Ausland, die den Umgang mit ESG-Risiken lenken. In diesem Artikel haben wir das Wichtigste in Kürze für dich zusammengefasst.


Was genau verbirgt sich hinter den Begriffen ESG oder Nachhaltigkeit und warum ist es so wichtig?

Die Ziele von ESG und ganz grundsätzlich von nachhaltigem Wirtschaften lassen sich im Allgemeinen einfach zusammenfassen. Zentral ist nach wie vor das Vorantreiben des Wirtschaftswachstums, aber nicht mehr um jeden Preis. Disparitäten im Lebensstandard sollen reduziert, die Chancengleichheit erhöht und die Umweltauswirkungen so weit wie möglich reduziert werden – Das Grundkonzept ist also recht unkompliziert (Hauff, 1987). 

Der Teufel liegt jedoch, wie so oft, im Detail. Bereits seit 1971 warnen Wissenschaftler vor dem, vom Menschen verursachten, Klimawandel. Erst 2007 wurde im Sachstandsbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der Klimawandel erstmals als eindeutig dargelegt (Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC, 2008). Im Pariser Klimaabkommen von 2015 wurde daher beschlossen, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Bei einer Erhöhung um 1,5 Grad Celsius sind nur moderate Folgen zu erwarten. Jedoch bleiben auch 1,5 Grad nicht folgenlos. Hitzewellen werden gehäuft auftreten, es ist mit höheren Ernteeinbussen zu rechen und bereits mit 1,5 Grad werden bis zu 90% der Korallenriffe auf der Erde verloren gehen (Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC, 2018).


Kritische Schwellenwerte beim Klimawandel

Unser Planet und darauf herrschende Prozesse sind bis zu einem gewissen Grad widerstandsfähig und resistent gegenüber Veränderungen – sozusagen „fehlertolerant“. Im Jahr 2009 entwickelten Wissenschaftler um Johan Rockström das Modell der planetaren Grenzen. Dieses Konzept definiert neun Grenzen, die es einzuhalten gilt. Dazu gehören unter anderem der Klimawandel, der Verlust der Biodiversität, die Verfügbarkeit von Süsswasser, die Landnutzung und die Ozeanversauerung. (Rockström, 2009). Das Überschreiten einer einzigen dieser Grenzen kann zu Dominoeffekten führen und somit die Überschreitung einer anderen Grenze begünstigen. Bei der erstmaligen Erhebung im Jahr 2009 waren bereits drei dieser Grenzen überschritten. Bis zum Jahr 2023 waren es sogar sechs. Dies verdeutlicht, dass das Überschreiten planetarer Grenzen das Risiko für grossflächige, abrupte oder irreversible Umweltveränderungen erhöht. Obwohl solche Veränderungen nicht unbedingt von heute auf morgen eintreten, markieren diese Grenzen dennoch kritische Schwellenwerte für das Risiko von Beeinträchtigungen für Mensch und Ökosysteme (Richardson, 2023). 


Nachhaltigkeit als Spielverderber?

Für Unternehmen gestaltet es sich zunehmend schwierig, neben dem täglichen Betrieb auch die Vielzahl an regulatorischen Anforderungen besonders im Bereich Nachhaltigkeit im Blick zu behalten. Geschweige denn, proaktiv für die Nachhaltigkeit einzustehen. Die steigenden Transparenzanforderungen entlang der Lieferkette, wie sie beispielsweise durch die Verordnung über Sorgfaltspflichten und Transparenz bezüglich Mineralien und Metallen aus Konfliktgebieten und Kinderarbeit (VSoTr) festgelegt werden, betreffen zunehmend auch kleine und mittlere Unternehmen. Auch durch die Annahme des Klimaschutzgesetz (KGI) im Juni 2023 hat sich das Schweizer Stimmvolk für klare Absenkziele von Treibhausgasen ausgesprochen, um das Netto-Null-Ziel bis 2050 zu erreichen – konkrete Implikationen für die Unternehmenslandschaft sind derzeit noch ausstehen. Die Frage für ein Unternehmen ist daher längst nicht mehr, ob sie von künftigen Regelungen betroffen sind, sondern wann. Sei es durch direkte Vorschriften, indirekt durch Lieferantenbeziehungen oder vom Kapitalmarkt.


Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stellt sich daher die entscheidende Frage, wo sie am besten ansetzen sollten. Für die Meisten wird eine Standortanalyse der optimale Ausgangspunkt sein. KMU können auf diese Weise erste Erfahrungen sammeln, die Datengrundlage kennenlernen und sich mit den grundlegenden Reporting-Standards vertraut machen. Es ist ratsam, einen Partner mit entsprechendem Fachwissen hinzuzuziehen. In der Schweiz bieten verschiedene Anbieter Softwarelösungen an, die auch kleinere KMU optimal und kosteneffizient unterstützen können. Einige Anbieter bieten zudem Zertifikate an, die in verschiedenen Kunden- und Lieferantenbeziehungen eingesetzt werden können. Dadurch kann nicht nur Zeit gespart, sondern auch ein effektives Risikomanagement durchgeführt werden.

Grössere Betriebe können auch einen Anschluss an Industriestandards, wie z.B. die GTIN von GS1 in Erwägung ziehen, um standardisiert und effizient die gesamte Supply Chain nachverfolgen und die Nachhaltigkeit sicherstellen zu können.

Gregor Mueller zeigte den Besuchern des Forums 2023 im Detail auf, wie Standardisierung uns bei steigender Komplexität und steigenden Anforderungen helfen kann, Effizienz und Transparenz zu steigern. Mehr zum Referat findest du hier.


Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil?

«Die beste Zeit, um einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt». Dieses chinesische Sprichwort passt perfekt in die heutige Zeit. Nie war der Schrei nach mehr Bäumen lauter. Die Biodiversität schwindet in einem ungeahnten Tempo und der Klimawandel schreitet unerbittlich voran (Newbold, 2016).

Nicht nur Politik, sondern auch Kunden werden zunehmend sensibler für Nachhaltigkeitsthemen. Ein effektives Umweltmanagement kann bereits jetzt einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Zudem kann eine klare ESG-Strategie dazu beitragen, Mitarbeitende zu gewinnen und langfristig zu binden, was dem Fachkräftemangel entgegenstrebt. Da auch Banken und Kreditinstitute immer mehr Wert auf Transparenz und ESG-Praktiken legen, wird durch eine klare ESG-Strategie der Zugang zum Kapitalmarkt vereinfacht und langfristig gesichert.       

Insgesamt zeigt sich, dass ESG im heutigen Geschäftsumfeld von grosser Bedeutung ist. Es bezieht Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren in Unternehmensentscheidungen ein und gewinnt auch politisch an Bedeutung. Angesichts steigender Regulierungen ist es für Unternehmen entscheidend, sich diesen Herausforderungen zu stellen. Eine klare ESG-Strategie kann nicht nur Wettbewerbsvorteile verschaffen, sondern auch den Zugang zum Kapitalmarkt erleichtern. Die Zusammenarbeit mit Fachpartnern und die Nutzung geeigneter Softwarelösungen sind dabei hilfreich, um den Prozess effizient zu gestalten und Risiken zu minimieren. Letztlich bietet die Integration von ESG-Praktiken Unternehmen die Möglichkeit, langfristige Werte zu schaffen und ihren Erfolg zu sichern. Denn wie auch Louis sagte: «Veränderungen begünstigen nur den, der darauf vorbereitet ist».

Am Digital B2B Forum 2023 hat Fabian Etter aufgezeigt, wie B2B-Unternehmen die Wettbewerbsvorteile im Bereich der Nachhaltigkeit nutzen können. Das Visual Recording und die Präsentation findest du hier



 

Quellen

Hauff, Volker. 1987. Unsere gemeinsame Zukunft : der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung. Greven  : 1. Auflage. Eggenkamp, 1987.

Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC. 2018. Summary for Policymakers. In: Global Warming of 1.5 °C. An IPCC Special Report on the impacts of global warming of 1.5 °C. Geneva : World Meteorological Organization, 2018.

Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC, WMO/UNEP. 2008. Climate Change 2007: Synthesis Report. 2008.

Newbold, Tim. 2016. Has land use pushed terrestrial biodiversity beyond the planetary boundary? A global assessment. Science. 2016, Bd. 353, 6296.

Richardson, J., Steffen W., Lucht, W., Bendtsen, J., Cornell, S.E., et.al. 2023. Earth beyond six of nine Planetary Boundaries. 9, 37. s.l. : Science Advances, 2023.

Rockström, J., W. Steffen, K. Noone, Å. Persson, et.al. 2009. Planetary boundaries: exploring the safe operating space for humanity. s.l. : Ecology and Society 14(2): 32, 2009.

Steffen, W., Richardson, K., Rockström, J. & Cornell, S.E., et.al. 2015. Planetary boundaries: Guiding human development on a changing planet. s.l. : Science 347: 736, 1259855, 2015.

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